Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 72 f.

Höhenmessungen bilden eine notwendige und wesentliche Unterlage für jede Kartierung eines Landes. Ohne sie läßt sich kein genaues Kartenbild, keine Geländedarstellung erzielen. Die genaueste aller Höhenmeßmethoden ist die Nivellierung, das ist ein Verfahren, bei dem der Höhenunterschied benachbarter, etwa 100 m voneinander entfernter Punkte durch horizontales Zielen mit einem geeigneten Instrument nach genau vertikal stehenden Maßstäben (Meßlatten) bestimmt wird. Die Nivellierinstrumente bestehen im wesentlichen aus einem Fernrohr und einer Libelle, deren Achsen unter sich parallel und beim Gebrauch horizontal sind. Eine weitere Methode, Höhen zu bestimmen, liefert die trigonometrische H. durch Messung von 2 Höhenwinkeln mittels eines mit Libellen und einem Höhenkreis ausgestatteten Theodolits von den Endpunkten einer möglichst genau gemessenen Standlinie aus. Bei den Messungen auf größere Entfernungen ist hierbei der Einfluß der Luftrefraktion und der Erdkrümmung zu berücksichtigen. Für Reisende kommen diese Methoden der H. kaum in Betracht, sondern nur die barometrisehen H. mit Hilfe von Quecksilberbarometern, Aneroiden und Siedethermometern, die auf dem Prinzip beruhen, daß der Luftdruck mit wachsender Höhe und in gleichzeitiger Abhängigkeit von der jeweilig herrschenden Lufttemperatur in gesetzmäßiger Weise abnimmt. - Quecksilberbarometer eignen sich ihrer großen Zerbrechlichkeit wegen nicht besonders für Höhenmeßzwecke, besonders nicht unter schwierigen Wegeverhältnissen in der Wildnis. Bei den Aneroiden, die auf Reisen vornehmlich als Höhenmesser dienen, wird der Luftdruck nicht durch die Schwere der Quecksilbersäule, sondern durch die Federkraft einer tunlichst luftleer gemachten dünnwandigen metallenen Dose, welche bei wachsendem Luftdruck zusammengedrückt wird, gemessen. Die minimale Bewegung der oberen Dosenfläche wird durch eine Hebelübersetzung auf einen Zeiger übertragen, der sich über einem mit Millimeterteilung versehenen Zifferblatt dreht und der den jeweiligen Luftdruck, vielfach auch den entsprechenden Höhenwert, diesen natürlich aber nur in ganz roher und angenäherter Weise angibt. So handlich und bequem Aneroide für H.zwecke auch sind, so sind ihre Angaben doch vielen Fehlerquellen unterworfen. Vor allem ändert jeder Stoß, alle stärkeren Luftdruckschwankungen, denen sie ausgesetzt werden (also nach Bergbesteigungen) sehr leicht ihren Stand bzw. ihre Korrektionen in erheblicher, ganz unkontrollierbarer Weise. Für einen Reisenden, der wissenschaftlich verwertbare H. liefern will, ist es daher nicht nur nötig, daß er sich mit mehreren Aneroiden guter Qualität von leistungsfähigen Firmen, z.B. von O. Bohne, Berlin S, Prinzenstr. 90, zum, Preise von je 60-80 M versieht, nicht mit gewöhnlicher Ramschware aus dem ersten besten Optikerladen, sondern daß er auch ein Kontrollierinstrument in Gestalt eines Siedeapparates mit 1-2 Siedethermometern mit sich führt. Bekanntlich ändert sich der Siedepunkt reinen Wassers in gesetzmäßiger Weise mit dem jeweiligen Luftdruck. Während z.B. bei 760 mm Barometerstand der Siedepunkt des Wassers bei 100° liegt, siedet Wasser bei 670 mm Luftdruck schon bei 96,5°. In dem leicht transportablen Siedeapparat, in dem man das reine, salzfreie Wasser durch eine kleine Spiritusflamme zum Sieden bringt, führt man nun ein Siedethermometer ein, das der Bequemlichkeit wegen statt der Gradeinteilung gleich eine Teilung aufweist, die den jeweiligen der betr. Siedetemperatur entsprechenden Luftdruck in Millimetern abzulesen gestattet. Indem man dafür sorgt, daß das Thermometer tunlichst weit in den Dampfmantel des Apparates eintaucht und dem Thermometer, nachdem das Wasser zu sieden begonnen hat, die genügende Zeit läßt, um sich definitiv einzustellen (5-6 Minuten), kann man durch gleichzeitige Ablesung des Siedethermometers und der Aneroide leicht die jeweiligen Korrektionen der letzteren ermitteln. Solche Vergleichungen zwischen Siedethermometer und Aneroiden sollten zur Kontrolle der letzteren auf Reisen, namentlich in gebirgigem Gelände, jeden 2. oder 3. Tag vorgenommen werden, besonders aber vor und nach Bergbesteigungen. Siedeapparate liefert die Firma R. Fueß in Berlin-Steglitz. Auf Reisen sind die Aneroidablesungen nicht wahllos, sondern außer im Lager nur an topographisch charakteristischen Punkten, bei Flußübergängen, am Fuß und auf der Hölle von Steilanstiegen, bei Paßübergängen usw. vorzunehmen. Gleichzeitig mit den Aneroidablesungen ist auch eine Bestimmung der jeweilig herrschenden Lufttemperatur mittels Schleuderthermometer auszuführen, weil sonst die Aneroidablesungen für genauere Höhenberechnungen sich nicht verwerten lassen. Vgl. v. Danckelman: Anweisung zu Höhenmessungen in den amtlichen Routen-Aufnahmebüchern (im Verlag von D. Reimer, Berlin) vorgedruckten Anweisungen.

Danckelman.