Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 15

Hämoglobin, der in den Blutkörperchen (Erythrocyten) enthaltene rote, eisenhaltige Farbstoff, auch Blutfarbstoff genannt. Er hat die Eigenschaft, Sauerstoff aufzunehmen und diesen unter geeigneten Umständen, z. B. im Vakuum oder in Gegenwart von Reduktionsmitteln wieder abzugeben, Vorgänge, die sich bei jedem Atemzug der Wirbeltiere abspielen. Auch mit anderen Gasen vermag das H. mehr oder weniger feste Verbindungen einzugehen, so mit Kohlensäure und Kohlenoxyd. Die Sauerstoffverbindung heißt Oxy-H., die Kohlensäureverbindung Karbo-H., die Kohlenoxydverbindung Kohlenoxyd-H. Alle 3 Verbindungen sind durch bestimmte Absorptionsstreifen im Spektroskop charakterisiert. Die festeste Verbindung unter ihnen ist das Kohlenoxyd-H. Durch die Bildung größerer Mengen dieses Körpers (bei Kohlenoxydvergiftungen) werden die Blutkörperchen der Fähigkeit beraubt, Sauerstoff aufzunehmen, wodurch Erstickungstod auftritt. Bei der Malariahämoglobinurie (s. Hämoglobinurie) tritt der Blutfarbstoff in den Harn über und verleiht diesem eine hellrote bis tiefdunkelbraunrote Farbe, eine Erscheinung, auf welche der Name Schwarzwasserfieber (s.d.) zurückzuführen ist.

Literatur: Hammarsten, Lehrb. d. physiolog. Chemie, 7. Aufl. Verlag Bergmann, Wiesbaden 1910.

Giemsa.