Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 768

Gründüngung. Um dem Boden an Stelle von Stallmist Pflanzenährstoffe, namentlich Stickstoff und humusbildende Substanzen zuzuführen, werden gewisse, ad hoc ausgesäte krautige Gewächse, solange sie noch in voller Vegetation befindlich sind, eingeackert. Sie werden seltener als Hauptfrucht in Reinkultur ("Vollg."), meist als Zwischenfrucht angebaut. Als G.spflanzen werden vorwiegend Schmetterlingsblütler (Leguminosen) verwandt, da ihnen die Fähigkeit zukommt, Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und ,damit erheblich bereichernd auf den Boden zu wirken (G. im engeren Sinne). Die G. dient u. a. zur Verbesserung leichter sandiger Böden und zur Lockerung und Aufschließung fester und bindiger Böden; sie ist aber nur dort mit Erfolg anwendbar, wo Kali und Phosphorsäure schon in genügenden Mengen vorhanden sind. Die Vollg. bietet bei entsprechender Auswahl der G.spflanzen noch den Vorteil, im Bedarfsfall größere Mengen von Grünfutter, zur Verfügung zu haben. In der tropischen Landwirtschaft führt sich die G. erst in neuerer Zeit ein. Auch in den deutschen Kolonien sind die Versuchsanstalten bemüht, die jeweils geeignetsten Gewächse ausfindig zu machen. Unter diesen kommen u.a. folgende Leguminosen in Betracht: Crotalaria-, Indigofera- und Tephrosiaarten, Leucaena glauca, gewisse tropische Bohnenarten und die Erdnuß. Über die Ergebnisse der einschlägigen Versuche: Amtl. Jahresber., verschiedene Aufsätze im Tropenpflanzer, Pflanzer, Tropical Agriculturist (Colombo), Bull. of the Federated Malayan States u.a. m.; über das Wesen der G. und ihre Anwendung unter heimischen Verhältnissen s.u. a. Lemmermann, Düngerlehre (Leipzig).

Busse.