Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 706 f.

Geradflügler oder Orthopteren nannte man früher alle Insekten mit beißenden Mundwerkzeugen und einer Entwicklung ohne Puppenruhe (s. Tafel 67/68 Abb. 1 - 12), höchstens wurden die Formen mit dicht netzaderigen Flügeln (s. Tafel 67/68 Abb. 6) als Pseudoneuropteren abgetrennt. Jetzt pflegt man die früheren G. in zahlreiche Ordnungen aufzuteilen und den Namen ganz zu verwerfen. Hier sollen die Formen mit Zange am Hinterleibsende (s. Tafel 67/68 Abb. 12) und mit 5 Tarsengliedern (s. Tafel 67/68 Abb. 1-5) abgesondert werden (s. Insekten) und die übrigen unter dem Namen G. vereinigt bleiben. Die dem Laien in unsern Kolonien auffallenden Gruppen , kann man etwa folgendermaßen unterscheiden: Durch kurze 3 - 7 - gliedrige Fühler zeichnen sich die kleinen parasitisch auf Vögeln lebenden Federlinge (mit zwei Tarsengliedern) und die Libellen (s. Tafel 67/78 Abb. 6) (mit drei Tarsengliedern) aus. Alle andem haben längere Fühler mit mehr als 7 Gliedern. -Durch weniger als 30 - gliedrige, gegen das Ende nicht oder kaum verjüngte Fühler sind die Feldheuschrecken, Holzläuse, Embüden und Termiten ausgezeichnet. Unter ihnen besitzen die Feldheuschrecken (s. Tafel 67/68 Abb. 11) Sprungbeine. Ihre Hinterschenkel sind mindestens doppelt so dick und doppelt so lang wie die Vorderbeine. Die kleinen Holzläuse (Psocidae) besitzen dünne Hinterbeine und keine Schwanzanhänge, die Embiiden und Termiten (s. Tafel 67/68 Abb. 8 - 10) dagegen zwei kurze Schwanzanhänge. Die Tarsen der Termiten sind viergliedrig, die der Embiiden dreigliedrig. - Aus mehr als 30 Gliedern oder Ringeln bestehen die borstenförmigen Fühler der Borstenschwänze (s. Tafel 67/68 Abb. 7), Uferfliegen, Grillen und Laubheuschrecken. Unter diesen zeichnen sich die (flügellosen) Borstenschwänze durch drei gegliederte Hinterleibsborsten aus. Bei den Laubheuschrecken bestehen die Tarsen aus 4 Gliedern, bei den Grillen und Uferfliegen aus drei. Bei den Grillen sind die Hinterschienen mit Domen und Spornen bewaffnet, während bei den Uferfliegen (Perlidae) höchstens Sporne vorhanden sind.

Dahl.