Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 686 f.

Geflügelzucht, insbesondere Hühnerzucht, wird in allen Kolonien betrieben. Von den Eingeborenen werden, soweit sie keine Nomaden sind" überall Hühner gehalten, wenn auch vielfach nur für Zwecke des Wahrsagens und Zauberns. Die einheimischen Hühnerrassen sind klein und oft degeneriert, ihre Eier- und Fleischproduktion ist eine sehr geringe. In Deutsch-Südwestafrika bildet G. einen Nebenerwerb des Farmers, sie dient hier der Verwertung von Abfällen der Hausund Farmwirtschaft. Während der Regenzeit kommt das Geflügel ohne Beifutter gut fort, da es hinreichend Insekten, Samen u. a. m. findet, in der Trockenzeit ist Beifutter für leistungsfähige Tiere unerläßlich. Wassergeflügel wird nur auf solchen Farmen gehalten, welche offenes Wasser haben. In Deutsch- Ostafrika, Kamerun und Togo finden sich außer den kleinen einheimischen Hühnerrassen auch die Ente und die Gans, jedoch ist die Verbreitung dieser beiden recht beschränkt, sie werden hier meist nur von Europäern gehalten. Zur Hebung der G. sind in alle Kolonien die verschiedensten europäischen Geflügelrassen eingeführt, die sich im allgemeinen gut akklimatisiert haben und durch deren Kreuzung das einheimische Geflügel wesentlich in seinen Leistungen verbessert werden kann. Im Jahre 1911 hat sich in Berlin eine Vereinigung zur Förderung deutschkolonialer G. gebildet, die das Bestreben verfolgt, für den Geflügelexport und die Verbreitung der G. in den Kolonien zu sorgen. Über Geflügelkrankheiten s.d.

Neumann.