Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 686

Geflügelkrankheiten. Beim Geflügel kommen verschiedene durch Schmarotzer verursachte Krankheiten und durch Bakterien bedingte Seuchen vor. Zu den Schmarotzerkrankheiten des Geflügels gehört die durch eine Räudemilbe (Dermatorrhyotes mutans) verursachte Fußräude, die mit Verdickung, Krusten- und Borkenbildung an den Beinen einhergeht (sog. Elefantenbeine, Kalkfüße); ferner das Auftreten der gemeinen Vogelmilbe (Dermanyssus avium), die das Geflügel beunruhigt und wie die Geflügelzecken (Argas minutus, A. persicus, A. reflexus) durch Blutsaugen eine schwere Blutarmut und selbst den Tod herbeiführen kann; die Geflügelzecken können außerdem dadurch schädlich wirken, daß sie eine Geflügelseuche, die Geflügelspirillosis (s. unten) übertragen. Die wichtigsten Geflügelseuchen sind: die Geflügelcholera, ein durch den Geflügelcholerabazillus bedingter ansteckender Durchfall; die Hühnerpest, eine nur bei Tieren des Hühnergeschlechtes vorkommende Allgemeinerkrankung, die durch einen unbekannten Ansteckungsstoff hervorgerufen wird und mit Schlafsuchterscheinungen und Lähmung einhergeht; die Geflügeldiphtherie, eine durch einen unbekannten Ansteckungsstoff erzeugte Erkrankung der Schleimhaut der Schnabel- und Rachenhöhle, wobei es zur Bildung von gelben Belägen auf der Schleimhaut kommt; die Geflügelpocken, deren Ansteckungsstoff gleichfalls unbekannt ist und bei denen sich knötchenförnüge Wucherungen auf dem Kamme, an den Kehllappen und anderen Stellen der Haut bilden; endlich die Hühnerspirillosis, die, wie schon erwähnt, durch die Hühnerzecke übertragen wird und sich durch auffallende Schwäche, Schlafsucht, Durchfall und Abmagerung äußert (s.a. Hühnerspirochaetose).

v. Ostertag.