Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 586 f.

Eselzucht. Der Esel ist als Transporttier in allen überseeischen Schutzgebieten vertreten. Seine Vorzüge gegenüber anderen Transportieren liegen in seiner außerordentlichen Anspruchslosigkeit und Widerstandskraft gegen Seuchen. Als Zuchttier kommt der Esel auch für die Erzeugung von Maultieren und Mauleseln in Betracht. In DeutschSüdwestafrika hat sich die E. auf Zuchtmaterial aufgebaut, das zum größten Teil aus der Kapkolonie stammt. Im Jahre 1913 wurden bei der amtlichen Viehzählung 8563 Esel ermittelt, darunter 813 Hengste, 3484 Stuten, 2775 Wallache, 1541 Fohlen. Die weiteste Verbreitung hat die E. im Bezirk Warmbad mit 1698 Tieren. Die dort ansässigen Buren beschäftigen sich neben ihrem Farinbetrieb meistens auch noch mit Frachtfahren, sie verwenden hierzu wegen der spärlichen Weideverhältnisse und der Billigkeit des Zugmaterials Esel, von denen sie 20 und mehr vor einen Wagen spannen. Nach Warmbad folgen die Bezirke Windhuk mit 1484, Omaruru mit 792, Gibeon mit 752 und Okahandja mit 696 Stück. Hier werden die Esel zum Transport von Wasser, Milch, Holz, Heu usw. verwendet, in den Kleinsiedlungen zum Abfahren der Produkte und zu anderen leichten Verrichtungen als billige Arbeitskraft geschätzt. Die bisher mit den Eseln als Zugtiere gemachten Erfahrungen haben ergeben, daß sie fast nur auf ebenen festen Straßen leistungsfähig, auf sandigen Wegen und im bergigen Gelände ihre Leistungen hingegen sehr gering sind. Eine besondere Bedeutung hat die E. bis jetzt im Schutzgebiet noch nicht zu erringen vermocht, es ist jedoch anzunehmen, daß das große Interesse, das neuerdings der Maultier - Zucht im Schutzgebiet zugewandt wird, auch zur Hebung der E. beitragen wird. Eine größere Zukunft als in Südwestafrika hat die E. in Deutsch-Ostafrika, wo der Massai- oder Wanjamwesiesel, vom afrikanischen Somaliwildesel abstammend, offenbar von den Massai (s.d.), die ihn in großen Herden halten, mit ins Land gebracht wurde. Die Zahl wurde 1903 auf ca. 12 000 geschätzt. Die Tiere sind von grauer Farbe, mit Schulterkreuz, oft auch Querstreifung der Beine, klein und wegen ihrer Ausdauer bekannt. Die Eingeborenen verwenden sie eigentlich nur zum Tragen von Lasten, ihr Fleisch wird nicht genossen. Ein großer Feind der E. ist die "Wurmseuche", die durch massenhaft im Verdauungskanal schmarotzende Eingeweidewürmer hervorgerufen wird, und an der sehr viele Tiere zugrunde gehen. Die Hauptverbreitungsgebiete sind die Steppengebiete zwischen. Kilimandscharo und dem Victoriasee und südlich bis nach Ugogo. Zur Verbesserung der E. sind aus Arabien Maskatesel und aus der Provinz Bari in Italien einige hervorragende italienische Hengste eingeführt. Die Maskatesel sind große Tiere, weiß oder isabellfarbig und von lebhaftem Temperament. Ihr guter Gang und ihre Leistungsfähigkeit sind bekannt, doch sind sie nicht so widerstandsfähig als der Massaiesel, weshalb für den Gebrauch gerne Kreuzungen zwischen dem Maskatesel und dem ostafrikanischen Esel vorgenommen werden. Die Maskatesel werden in allen größeren Küstenorten gehalten und teuer bezahlt. Die Schutztruppe hat in Daressalam, Iringa und anderen Stationen mit den erwähnten Kreuzungen befriedigende Ergebnisse erzielt. Der Bedarf an guten Reittieren wird aber noch nicht im Lande durch die E. gedeckt. In Kamerun und Togo; ist der Esel mit den Haussa (s.d.) verbreitet, ohne daß eine geregelte Zucht stattfindet. Der Haussaesel ist groß und stark, meist grau von Farbe mit einem dunkelbraunen oder schwarzen Kreuz auf dem Rücken und schwarzen Querstreifen an den Hinterbeinen. Auch isabellfarbene Esel kommen gelegentlich vor. In Kamerun ist der Esel hauptsächlich in den Tsadseegebieten und in Adamaua verbreitet, während er in Togo in Tschaudjo, Sansane - Mangu, Jendi und Salaga sich am häufigsten findet. Nach den Schutzgebieten der Südsee wurde der Esel auch eingeführt; auf Samoa wird er beim Einsammeln der Kokosnüsse auf den Pflanzungen als Lasttier verwandt. Im Kiautschougebiet kommt der Esel häufig vor, er ist neben dem Maultier das am meisten verbreitete Lasttier, auch wird er von den chinesischen Bauern zur Feldarbeit und mit Vorliebe zum Reiten verwendet. Die E. steht in der ganzen Provinz Schantung auf hoher Stufe.

Neumann.