Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 311

Deutscher Evangelischer Kirchenausschuß. Die Konstituierung dieses ständigen Ausschusses der evangelischen Landeskirchen Deutschlands am 10. Nov. 1903 war das Ergebnis langjähriger Bestrebungen, für ihre gemeinsamen evangelisch- kirchlichen Interessen ein Organ zu schaffen. Der Ausschuß hat die Aufgabe, diese Interessen wahrzunehmen, insbesondere 1. gegenüber anderen deutschen und außerdeutschen Kirchengemeinschaften wie den nichtchristlichen Religionsgesellschaften; 2. in bezug auf die kirchliche Versorgung der Evangelischen in den deutschen Schutzgebieten; 3. bezüglich der Förderung kirchlicher Einrichtungen für die evangelischen Deutschen im Auslande, sowie der Seelsorge unter deutschen Auswanderern und Seeleuten. Die Lösung der hier in Frage stehenden zweiten Aufgabe erfolgt wesentlich durch die Vermittelung des evangelischen Oberkirchenrats (s.d.) in Berlin, da die deutschen evangelischen Kirchengemeinden in den deutschen Kolonien der preußischen Landeskirche angeschlossen sind und die Geistlichen dieser Gemeinden durch den Oberkirchenrat ausgesandt werden, auch an die Ruhegehaltskasse und an den Pfarr-Witwen- und Waisenfonds der preußischen Landeskirchen Anschluß erhalten. S. Kirchengemeinden und Oberkirchenrat.

Literatur: C. Mirbt, Der Zusammenschluß der evangelischen Landeskirchen Deutschlands. Marburg 1903. - M. Schiele, Die kirchliche Einigung des evangelischen Deutschlands im 19. Jahrh. Tübing. 1908. - Ph. Meyer, Hannover und der Zusammenschluß der deutschen evangelischen Landeskirchen im 19. Jahrh. (Forsch. z. Geschichte Niedersachsens). Hannover 1906. - Mitteilung des evangelischen Oberkirchenrats über die kirchliche Versorgung der deutsch redenden Evangelischen in den deutschen Schutzgebieten: Verhandlungen der 6. ordentlichen Generalsynode der evang. Landeskirche Preußens 1909. Berlin 1910, II. Bd., 437-453.

Mirbt.