Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 244 f.

Brüdergemeine (Brüder- Unität), nach ihrer ersten Niederlassung in Herrnhut in Sachsen auch oft die "Herrnhuter" genannt (in England und Amerika: The Moravians, in der französischen Schweiz: Les Moraves) ist eine Freikirche, die ihre ca. 44400 Anhänger vorzugsweise in Deutschland, Schweiz, Böhmen, Großbritannien, Vereinigte Staaten gesammelt hat und als Kirche seit 1732 Mission treibt. Durch die Größe ihres Missionswerkes (Labrador, Alaska, Kalifornien, Westindien, Moskitoküste, Demarara, Suriname, Kapland, Westhimalaya, Australien) hat sie lange Zeit unbestritten in Deutschland an erster Stelle gestanden, während neuerdings die Rheinische Missionsgesellschaft in der Zahl der Getauften die Führung übernommen hat. Trotz der großen Opferwilligkeit, die sie auszeichnet, ist die Unterhaltung des von Jahr zu Jahr anwachsenden Missionswesens nur durch kräftige Unterstützung aus landeskirchlichen Kreisen möglich. Durch ihre lange Arbeit unter kulturarmen Völkern und speziell durch ihre Erfahrungen in Südafrika wohl ausgerüstet, hat sie 1891 in Deutsch- Ostafrika zu missionieren begonnen. Dieses Unternehmen war wesentlich von dem Missionsdirektor Buchner (s.d.) vorbereitet worden, der auch in anderen Beziehungen der kolonialen Sache gute Dienste geleistet hat. S.a. Mission, evangelische, 4; Christen, eingeborene.

Literatur: A. Schulze, Abriß einer Geschichte der Brüdermission. Herrnhut 1901. - C. Mirbt, Mission und Kolonialpolitik in den deutschen Schutzgebieten. Tübing. 1910. - Jahresbericht über das Missionswerk der Brüdergemeine für das Jahr 1911. Herrnhut 1912. 2. Missionszeitschriften.

Mirbt.