Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 195 f.

Bevölkerung der Schutzgebiete. In den Schutzgebieten hat die weiße Bevölkerung entsprechend dem wirtschaftlichen Aufschwung, den die Kolonien genommen haben, eine bedeutende Zunahme erfahren. Während noch im Jahre 1902 in allen Schutzgebieten zusammengenommen 4872 Männer, 1034 Frauen und 1617 Kinder, zusammen also 7523 Köpfe gezählt wurden, waren schon 4 Jahre später allein an weißen Männern fast 1000 Köpfe mehr, nämlich 8383 zu verzeichnen, und jetzt nach 10 Jahren setzt sich die weiße Bevölkerung zusammen aus 15323 Männern, 4817 Frauen und 4249 Kindern, sie zählt somit zurzeit 24389 Köpfe, hat sich also in diesem Zeitraum mehr als verdreifacht. Sie umfaßte am 1. Jan. 1913 neben Europäern aus allen Ländern noch Kolonialengländer, Amerikaner, Syrer, Japaner, zum Teil Chinesen, und verteilt sich folgendermaßen: Deutsch-Ostafrika 5336 (Bezirk Daressalam 1053, Tanga 581, Aruscha 500) (darunter Deutsche 4107); Kamerun 1871 (Duala 448, Kribi 223, Buea 192) (darunter Deutsche 1643); Togo 368 (Lome-Stadt 186) (Deutsche 320); Deutsch-Südwestafrika 14830 (Windhuk 2871, Lüderitzbucht 1616, Swakopmund 1463) (Deutsche 12292); Deutsch-Neuguinea I (Kaiser-Wilhelmsland und Bismarckarchipel) 968; Deutsch-Neuguinea II (Karolinen, Marshallinseln) 459 (Deutsche 1005); Samoa 557 (Deutsche 329). Die Zahl der einheimischen farbigen Bevölkerung konnte in den ersten Jahren der Kolonisation nur geschätzt werden, war also unsicher und vermochte auf Zuverlässigkeit keinen Anspruch zu machen. Während man nun in den Schutzgebieten Kamerun, Togo, Deutsch-Südwestafrika und Samoa mit der Zählung der Bevölkerung bereits fast fertig ist, beruhen die Bevölkerungsziffern in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Neuguinea zum größten Teil noch auf Schätzungen. - Die farbige B. umfaßt Eingeborene der deutschen Schutzgebiete und fremder Kolonien (Afrikaner, Inder, Malaien, Westindier usw.), ferner zum Teil Chinesen u.a., endlich die Mischlinge. Aus der Lage der afrikanischen Schutzgebiete ergibt sich, daß sie nur in ihrer Gesamtheit alle Elemente der afrikanischen Bevölkerung umschließen; im einzelnen bestehen weitgehende Verschiedenheiten. Es sind vorhanden: in Deutsch-Ostafrika: Bantuneger, die im Norden von Hamiten überlagert sind, Pygmäen im Innern (?) und im Nordwesten kommen hinzu; in Deutsch- Südwestafrika: Bergdamara (Urneger), die zu den Bantu gehörenden Ovambo und Herero, die hamitisch beeinflußten Hottentotten und die zu den Pygmäen gehörenden Buschmänner; in Kamerun: im Waldlande Bantu, im Graslande Sudanneger, im Norden Fulbe u.a. Hamiten; in Togo: vorwiegend Sudanneger. In der deutschen Südsee wird Samoa von Polynesiern bewohnt, Marianen, Karolinen, Marshallinseln von Mikronesiern, die im Westen indonesische, im Osten polynesische Elemente in wechselnder Stärke enthalten. In Deutsch-Neuguinea und dem Bismarckarchipel ist zunächst auf sprachlicher Grundlage zu unterscheiden zwischen Melanesiern (die wie Mikronesier und Polynesier mit den Indonesiern und weiterhin den Mon-Khmer-Völkern verwandt sind) und bisher isoliert dastehenden Amelanesiern oder Papuas; hinzu kommen (im Innern von Neuguinea nachgewiesen, auf den Admiralitätsinseln vermutet) Pygmäen und ferner polynesisch-mikronesische Beziehungen im Osten, mikronesische im Norden. (Vgl. die einzelnen Schutzgebiete und die einzelnen Völkergruppen und Völker unter ihrem Namen.) Genaue, auf Zählung beruhende Angaben liegen Anfang 1914 nur zum Teil vor, die nachfolgenden Zahlen sind daher nur Näherungswerte. Die farbige B. betrug in Deutsch- Ostafrika 7645000 Eingeborene und 14898 Fremde; größte B.dichte (über 25 auf 1 qkm): Ruanda, Urundi, Tanga, Daressalam, Rufiji; in Kamerun 2648610 Eingeborene, über 2400 Fremde; in Togo: 1031715 Eingeborene; in Deutsch- Südwestafrika: 78810 Eingeborene, 4173 Fremde; in Deutsch-Neuguinea etwa 600000 Eingeborene (große Strecken sind unbewohnt oder unbekannt), 1656 Fremde; in Samoa (1912): 34124, 1413 fremde Südsee-Insulaner. An Mischlingen wurden gezählt in Deutsch-Ostafrika 114, in Kamerun 110, Deutsch-Südwestafrika 1746 (1912), Deutsch-Neuguinea 281, Samoa 1025. Also zusammen 12041603 Eingeborene und 24570 Fremde. - Eine bedeutende Volksvermehrung ist auch im Schutzgebiet Kiautschou zu verzeichnen. Während im Jahre 1897 die Bevölkerung dieses Schutzgebietes etwa 83000 Köpfe betrug, ergab eine im Mai 1910 vorgenommene Volkszählung eine Gesamtbevölkerung von 165224 Köpfen. Die Bevölkerung hat sich demnach in einem Zeitraum von 13 Jahren verdoppelt. Von der Gesamtbevölkerung von 165224 Köpfen entfallen auf die militärische Besatzung 2275. Die nachstehende Tabelle gibt über die Zusammensetzung der Zivilbevölkerung Aufschluß:

Hier sind die Japaner nicht zu den Weißen gerechnet, sondern gesondert gezählt worden. Von den 1621 Weißen sind 94,4 % Deutsche, nämlich 1531 Köpfe, ferner 32 Engländer (1,9%), 19 Amerikaner (1,2%) und 40 Köpfe anderer Nation (2,5%). Von der chinesischen Bevölkerung wohnen 34180 Köpfe im Stadtgebiet. Die Landbevölkerung wohnt in 274 Ortschaften, von denen 24 über 1000 Einwohner haben. Unter Einbeziehung der Bevölkerung des Schutzgebietes Kiautschou umfassen demnach alle deutschen Kolonien eine farbige Bevölkerung von 12227334 Köpfen. S.a. Entvölkerung.

Literatur: Die deutschen Schutzgebiete in Afrika u. der Südsee. 1912/13. Brln. 1914. - Deutsches Kolonialblatt (hrsg. im Reichs-Kolonialamt). Amtliche Jahresberichte, hrsg. vom Reichs-Kolonialamt (Vlg. Mittler & Sohn, Brln.)

Thilenius, Zoepfl.